Von Noah Farajallah
Ich bin spät dran. Unsere Künstler nicht. Es ist nach halb neun, als ich zum Lehrereingang komme. Später als vereinbart, aber der Start ist entspannt während der Projektwoche.
Mindestens drei Orte besucht die Projektgruppe des Projekts “ Kunst in Homberg “ täglich und führt dabei verschiedene Zeichenaufträge aus. Das Projekt zielt darauf ab, die Kreativität und Malkünste der Schüler zu fördern und dabei verschiedene Landschaften in Homberg zu erkunden. Heute geht’s an den Rhein.
Strahlend blauer Himmel, eine leichte Brise, überall duftet es nach Sonnencreme, die perfekte Atmosphäre für einen Tag am Rhein.
Im Vergleich zum vorherigen Tag haben die Schüler heute die Möglichkeit, mit anderen Utensilien wie Kohle oder Wasserfarben zu malen. Daher begeben sie sich vor dem Antritt des Wegs zum Rhein in den Kunstraum um Wasserfarben sowie Becher und Pinsel mitzubringen.
Die Schüler sind sehr aufgeregt und erwarten gespannt unsere Ankunft. Auf dem Weg genießen sie die sommerliche Atmosphäre von Homberg
Das erste Ziel unseres Ausflugs ist der Hafensturm.

Doch bevor die Schüler anfangen können zu zeichnen werden sie von den Projektleitern Frau Freudenhammer und Herr Bliesner aufgeklärt.
Am Rhein scheint das Zeichnen auf den ersten Blick eher unpraktisch, auf den zweiten scheint es möglich. Am Ende geht es eben irgendwie.
Frau Freudenhammer kündigt den Arbeitsauftrag an. Wir sollen eine Landschaft erfassen und sinngemäß abzeichnen. Ich erfrage währenddessen die Gründe für die Wahl dieses Ortes und Auftrages. Den Projektleitern zufolge soll die Übung Schüler/innen beibringen eine Landschaft als Ganzes zu erfassen.
Dafür bietet der Rhein die schönsten Perspektiven. Weiterhin sind wir vor Ort nicht von Sonne und Hitze geplagt, da es vorerst relativ bewölkt ist. Zudem ist die architektonische Gestaltung verschiedener Gebäude der Industriekultur sehr ansprechend .
Am Tag zuvor involvierten Übungen das Entdecken eigener Motive und Ausarbeiten dieser mithilfe verschiedener Methoden. Dabei wurden alltägliche Gegenstände wie Mülltonnen gemalt. Das bewirkte bei Schülerinnen bessere Ergebnisse beim Zeichnen jener Motive aus dem Gedächtnis.
Unser nächstes Ziel ist der Spielplatz. Vor der nächsten Übung haben die Kinder die Möglichkeit, sich auf dem Spielplatz auszutoben. Beispielsweise auf der Schaukel, Drehscheibe, den Rutschen sowie Klettergerüsten. Bei der Übung handelt es sich um eine Auflockerungsübung. Sie ist daher auch für Kinder mit Schwierigkeiten beim Zeichnen geeignet. Sie sollen sich Schattenmomente angucken. Hier werden Gegenstände übers Papier gelegt und deren Schatten abgezeichnet. Dabei ist auch die Kombination von vielfältigen Strukturen möglich. Wir haben dieses Mal zudem die Gelegenheit mit Kohle zu malen, um den Zeichenprozess schneller und effizienter durchzuführen.

Darauffolgend begeben wir uns unterhalb des Hafensturms unter die Brücken. Ich folge der Gruppe den Hang hinunter. Auf dem Boden kommen uns Massen an leeren Bierflaschen und leere Zigarettenschachteln entgegen. Wir befinden uns nun am Rheinufer gegenüber der Friedrich-Ebert-Brücke. Auf Holzbänken entlang der Zäune sitzen einige zum Zeichnen. Außerhalb davon bietet der Standort diverse Sitzmöglichkeiten, welche zugleich das zeichnen verschiedener Motive und/ oder das darstellen mehrerer Variationen eines Gebietes ermögliche. Der dritte Arbeitsauftrag ist eine Kombination der zwei Vorübungen. Dieses Mal wird eine Landschaft erfasst, in deren Vordergrund sich der Schatten befindet. Hier dienen die Schatten als gestalterisches Mittel zum Erzeugen von Tiefenwirkung im Bild. Dabei stellt der Schatten außerdem den Vordergrund des Bildes dar.

Zum Schluss verlassen wir den Rhein und betreten das Schulgelände erneut. Auf dem Schulhof stellen wir unsere Zeichnungen einander vor und besprechen den morgigen Tagesablauf. Besonders interessant fand ich, wie eigenständig die Schüler/innen gearbeitet haben und wie unterschiedlich die entstandenen Kunstwerke voneinander waren. Zusätzlich war ich fasziniert von den Zeichnungen, die die Schüler in solch kurzer Zeit anfertigen konnten. Auch das Nutzen von Kohle zum Zeichnen und die freie Wahl von Gebieten zum Zeichnen bereitete mir reichlich Spaß. Insgesamt hat mich das Projekt positiv überrascht, da ich nicht erwartet hatte solch beeindruckende Landschaften zu entdecken und dabei sogar neue Zeichenmethoden zu erlernen. Aus diesen Gründen ist das Projekt meiner Meinung nach zu empfehlen, falls es zukünftig wieder angeboten wird .

Interview mit Projektteilnehmerin Lucie Bärbeler
Noah: Was hat dir besonders an der Projektwoche gefallen?
Lucie: Die Arbeit mit Kohle an den Schattierungen.
Noah: Wie angenehm ist das Arbeitsklima gewesen?
Lucie: Es war ein lockeres Arbeitsklima, in dem man viel Freiraum zum Arbeiten bekommen hat, man durfte beispielsweise sogar Musik hören.
Noah: Wie hilfreich sind die gesammelten Erfahrungen?
Lucie: Schon hilfreich, da diese Erfahrungen bei zukünftigen Kunstprojekten helfen können.
Noah: Was hattest du für Erwartungen an das Projekt?
Lucie: Am Anfang dachte ich, dass wir mit mehr Farbe arbeiten würden, aber die Skizzen waren am Ende auch ein schönes Projekt.
Noah: Vielen Dank für das Interview.
